Open Source Lizenzen für den Saatgutsektor

Open Source Lizenzen für den Saatgutsektor

Angelehnt an die Open Source Entwicklung im Software Bereich,  hat OpenSourceSeeds eine Open Source Lizenz für den Saatgutbereich entwickelt. Ziel der Lizenz ist die möglichst freie Verwendung von Saatgut. Bereits seit 2012 sucht eine Arbeitsgruppe von Agrecol nach einer Möglichkeit das Open-Source-Prinzip auf das Saatgut landwirtschaftlicher Kulturpflanzen anzuwenden. Nach der Veröffentlichung der Lizenz im Juni 2016 wird sie dieses Jahr an den ersten Pioniersorten – der Freilandtomate Sunviva und dem Sommerweizen Convento C – erprobt.

Die Lizenz besteht aus einer sogenannten Material-Übertragungsvereinbarung.  Diese erlaubt dem Lizenznehmer, das Saatgut uneingeschränkt zu nutzen, zu vermehren, weiterzugeben und züchterisch zu verarbeiten. Der Lizenznehmer verpflichtet sich gleichzeitig, jegliche Form von Privatisierung oder Vereinnahmung (z.B. Anmeldung von Sortenschutz) zu unterlassen und künftigen Nutzern des Saatgutes die gleichen Rechte einzuräumen die er oder sie selbst genossen hat. Dieses copyleft Prinzip ist daher viral, da nicht nur das lizenzierte Saatgut, sondern auch alle zukünftig aus dem Saatgut entwickelte Sorten unter die Lizenz fallen.

Die Notwendigkeit für eine neue Rechtsform im Saatgutbereich sehen Lizenzentwickler Dr. Johannes Kotschi und seine Mitstreiter durch die große Zunahme an Patenten und die Oligopolbildung im Saatgutmarkt. Diese unterbindet zunehmend die Züchtung abseits der großen Unternehmen und führt zu großen Verlusten in der genetischen Vielfalt. Für eine Anpassung an den Klimawandel unter den unterschiedlichsten Standortbedingungen weltweit ist jedoch eine Vielfalt im Saatgutsektor dringend notwendig.

Indem die neue Lizenz Saatgut wieder zu einem Gemeingut macht, wird die Züchtung von Sorten innerhalb dieses Parallelmarktes wieder zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Zur Finanzierung müssten daher der Staat, aber auch die Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärker beteiligt werden. Wie die Finanzierung eines gemeingüterbasierten Saatgutsystems ausgestaltet werden kann, wird im Forschungsprojekt Right Seeds? untersucht. Die Erkenntnisse der Praxispartner fließen hier direkt ein und werden im Rahmen von Fokusgruppen und Workshops weiterentwickelt.

Ähnlich wie OpenSourceSeeds erprobt die Amerikanische Open Source Seed Initiative seit einigen Jahren einen ‚Pledge‘ – eine freiwillige Verpflichtungserklärung – die Sorten vor Privatisierung schützen soll.  Auch in anderen Bereichen der Tier- und Pflanzenzucht, werden momentan Open Source Lizenzen erprobt. Die Initiative OpenSourceBees vom Weltimkerverband Apimondia setzt sich beispielsweise dafür ein, dass die Honigbiene ein Gemeingut und in den Händen der weltweiten Imker-Gemeinschaft bleibt.