Aus dem RightSeeds Projekt

Aus dem RightSeeds Projekt

30.10.2019

Right Seeds und EGON bei der ESP 10 World Conference

Auf der 10. Ecosystem Services Partnership (ESP) World Conference in Hannover haben Nachwuchswissenschaftler aus RightSeeds und EGON am 22. Oktober ihre Forschung präsentiert. Die Vorträge wurden in der Session zum Thema “Agroecology: Managing biodiversity and soil health for the sustained provision of ecosystem services in agriculture” gehalten und anschließend mit den Teilnehmer*innen diskutiert. Anoush Ficiciyan (RightSeeds) stellte am Vormittag die Ergebnisse ihrer Publikation „More than yield: Ecosystem services of traditional versus modern crop varieties revisited” vor. Lea Kliem (RightSeeds) referierte am Nachmittag über “Seeds of resilience: The contribution of commons-based plant breeding and seed production to social-ecological resilience of the agricultural sector.” Im Anschluss an den Vortrag stellte Hendrik Wolter (EGON) gemeingutbasierte Ansätze im Obstbereich unter dem Titel „Improving the resilience of fruit cultivation with commons-based organic fruit breeding.“ vor.

23.05.2019

Süd-Nord-Austausch – Workshop auf den Philippinen

Anfang Februar 2019 reiste das RightSeeds-Forschungsteam gemeinsam mit deutschen Praxispartnern auf die philippinische Insel Luzon, genauer in Rajal Centro, Santa Rosa, Nueva Ecija. Dort fand im Rahmen eines sechstägigen Workshops gemeinsam mit dem philippinischen Netzwerk MASIPAG (Farmer-Scientist Partnership for Development) ein Austausch über die gemeinsamen Ziele, Zukunftsvisionen und Wünsche, die unterschiedlichen ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die tägliche praktische Arbeit der Züchter statt. Der Austausch mit MASIPAG-Koordinatoren, -Züchtern und -Farmern gewährte den deutschen Partnern wertvolle Einblicke in eine seit Jahrzehnten bewährte Kooperation von Züchtung, Anbau, Wissenschaft und NGOs, in der Sortenvielfalt und Ernährungssouveränität als zentrale Werte wirken.

Die Teilnehmenden (Foto: RightSeeds)

Reis-Sammlung von MASIPAG (Foto: RightSeeds)

MASIPAG lebt bereits seit Jahrzehnten die im Projekt untersuchten Gemeingüter-Prinzipien und konnte somit wertvolle Erfahrungen teilen. Die deutschen Praxispartner gewährten den philippinischen Partnern wiederum wichtige Einblicke in die Züchtungsarbeit in Deutschland. Die Workshopwoche gliederte sich in verschiedene Thementage. Nach einem Kick-off Tag inklusive Besuch der MASIPAG Backup Farm folgte ein Tag zum den Themen Gemüse und Zwiebeln (Blogbeitrag zum Gemüse- und Zwiebeltag). Weitere Schwerpunkte waren ein Reistag mit Besuch des Philippine Rice Research Institute sowie ein Politiktag mit Gesprächen im Ministerium und im Office Provincial Agriculturalist (Blogbeitrag zum Reis- und Politiktag). Ein weiterer Tag wurde der konzeptionellen Arbeit zum Thema Gemeingut und der Reflexion der Workshopwoche sowie allgemeinem Feedback zum Süd-Nord-Austausch gewidmet.

Aktuell werden die Ergebnisse der Philippinenreise durch durch RightSeeds ausgewertet und parallel die Planung für den Besuch einer Delegation von MASIPAG im Jahr 2020 vorangetrieben.

26.10.2018

Gedanken zur Feldsaison 2018

Grobes Versuchsdesign: Vergleich der Erntemenge und –Qualität von ökologischen und konventionellen Tomaten- und Bohnensorten unter Unkrautdruck. Anbau als Bohnen-Tomaten-Mischkultur (im PE Mörtelkübel) und als Einzelpflanzen (im Topf) zum Vergleich. 

Foto: RightSeeds

Oktober 2018, der Herbst ist nun auch endgültig hier in Göttingen angekommen und ich habe mich schweren Herzens letzte Woche von meinen Pflanzen getrennt. Fast 6 Monate lange waren meine fast 400 „Kinder“ fester Bestandteil meiner täglichen Arbeit und in meinen Gedanken wenn ich einmal nicht da war.

Trotz des sehr heißen Wetters haben sich fast alle Bohnen- und Tomatensorten gut geschlagen. Die Erntesaison startete dieses Jahr am 19. Juni mit den ersten Bohnen. 6 Wochen lange lief die Ernte wirklich gut, bis irgendwann plötzlich der Spinnmilbendruck zu stark wurde. Nach diesen 6 Wochen wurden recht schnell auch die ersten Tomaten reif und ich habe mit der Bohnenernte aufgehört, da die Bohnen durch die Milben doch recht schnell schwächer und schwächer wurden. Das gute Wetter und die heißen Tage sorgten aber dafür, dass die Tomaten schnell reif wurden und sich bei ausreichender Bewässerung wohl gefühlt haben. Trotzdem habe auch ich festgestellt, dass die sehr heißen Tage diesen Sommer auch meine Pflanzen extrem gestresst haben und die Ernte in den zwei extremen Wochen auffällig schlechter war. Um die Pflanzen nach dieser extremen Zeit zu schonen habe ich ab September fast komplett aufgehört sie auszugeizen und nur noch gelegentlich dafür gesorgt, dass die Pflanzen eine Struktur behalten, an der man gut ernten kann. Das hat meiner Einschätzung nach den Pflanzen sehr gut getan, sie haben sich gut erholt und sind voller Kraft neu durchgestartet. Ausgeizen wird meiner Erfahrung viel und gerne unter Hobbygärtnern gemacht, sehr wahrscheinlich tut es aber den Pflanzen (wie allen anderen Lebewesen) auch mal gut, wenn man sie einfach in Ruhe lässt und nicht immer „hier und da“ etwas abschneidet.

Foto: RightSeeds

Insgesamt habe ich über die gesamte Ernteperiode:

13.905 grüne Bohnen geerntet (78 kg)

und 13.601 Tomaten geerntet (643 kg)

Wie sich die Ernte genau zusammensetzt, ob es Unterschiede zwischen der ökologischen und konventionellen Sortengruppe gab und wie sich der Mischanbau von Bohnen- und Tomatenpflanzen zusammen in einem Kübel auf die Ernte und Qualität der Früchte ausgewirkt hat, bleibt spannend und wird sich in der anschließenden statistischen Auswertung genau zeigen.

Abschließend möchte ich bei all den lieben Menschen bedanken, die mich im Vorhinein und während der letzten Monate mit Fachwissen, Muskelkraft und Kreativität begleitet und unterstützt haben. Ohne die Gärtnerinnen im neuen Botanischen Garten hier in Göttingen und meine studentischen Mitarbeiterinnen wäre ich bestimmt keine so stolze Pflanzenmutter geworden!

Foto: RightSeeds

Autorin: Anoush Ficiciyan

03.07.2018

Conceptualizing the New Commons

Internationaler Workshop verbindet den freien Zugang zu Wissen mit Zukunftsfragen der Landwirtschaft

Vom 06. bis 08. Juni 2018 trafen sich 30 Wissenschaftler aus über zehn verschiedenen Ländern in Oldenburg, um den zukunftsfähigen und praktikablen Umgang mit neuen Gemeingütern zu diskutieren.

In vier Teilveranstaltungen des Workshops „Conceptualizing the New Commons – The Examples of Knowledge Commons & Seed and Variety Commons“ debattierten die Teilnehmer über die Herausforderungen, die der Schaffung und Handhabung von neuen Gemeingütern gegenüberstehen. Diese entstehen durch soziale, politische und ökonomische Prozesse und für deren Management gilt es einen Weg durch die komplexen Regeln und Gesetze zu finden, die die entsprechenden Handlungsfelder (z.B. Saatgut und Pflanzensorten; Wissen) bestimmen und lokale Strukturen aufzubauen.

Ein Highlight des Workshops war zweifellos der öffentliche Keynote-Vortrag von Jack Kloppenburg, Professor an der Universität Wisconsin und Mitgründer der Open Source Seed Initiative zum Thema Enacting the New Commons. Dieser fand direkt am ersten Workshop-Tag im besonders schönen Ambiente des Lesepavillons im Oldenburger Schlossgarten statt. Im Anschluss waren die Teilnehmer eingeladen, sich bei einem gemeinsamen Abendessen im nahegelegenen Ratskeller besser kennenzulernen, wobei auch hier fleißig inhaltliche Themen des Workshops diskutiert wurden. Der nächste Höhepunkt fand gleich am darauffolgenden Morgen statt: Der Keynote-Vortrag von Brett Frischmann, Professor an der Charles Widger School of Law der Villanova Universität zum Thema Governance of Knowledge Commons – Conceptualization and Remaining Challenges. Der zweite Workshop-Tag fand seinen Ausklang mit einer abendlichen Stadtführung im und um das Stadtzentrum Oldenburgs. Auch Tag drei begann mit einem äußerst interessanten Vortrag von Keynote-Sprecherin Silke Helfrich – Autorin und Wissenschaftlerin am Commons Institut. Sie sprach über alternative Sichtweisen und Auffassungen hinsichtlich Gemeingüter mit dem Titel Beyond the Familiar Categories for Understanding Commons. In einer letzten gemeinsamen Abschlussrunde wurde den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, Feedback zu geben und über den Workshop zu reflektieren.

Während der drei Workshop-Tage haben sich einige Wissenschaftler zusammengetan, um ein Joint Paper zu verfassen. Dieses stellt ein sehr gutes Werkzeug dar, um die Ergebnisse des Workshops wissenschaftlich festzuhalten.

Schlussendlich hat die Kooperation zwischen der International Association for the Study of the Commons (IASC) und der Nachwuchsforschergruppe des Projekts RightSeeds, um diesen Workshop zu ermöglichen, zu äußerst zufriedenstellenden Ergebnissen und zahlreichem positiven Feedback durch die Teilnehmer geführt.

Was unsere Forschung bewegt

Saatgut und Sorten bilden die Grundlage des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus. Dabei prägen die Strukturen von Saatgutproduktion und Pflanzenzüchtung entscheidend unser globales Ernährungssystem, dessen größte Herausforderung die Gewährleistung von Ernährungssicherheit für eine wachsende Weltbevölkerung ist. Bisherige Lösungsansätze zielten seit den 1940er Jahren vorwiegend auf eine Intensivierung der Landwirtschaft. Durch die Züchtung von Hochleistungssorten sollten steigende Ernteerträge erreicht werden. Diese Sorten benötigen im Anbau jedoch meist große Mengen chemisch-synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel.

Die Konzentration der Züchtungsanstrengung auf wenige, wirtschaftlich attraktive Kulturarten und -sorten bedingt eine hohe Präsenz dieser Sorten in der Landwirtschaft. Ihr großflächiger, industrieller Anbau trägt zu einem Rückgang von Biodiversität sowie regulierenden und kulturellen Agrarökosystemleistungen bei. Dies ist gerade vor dem Hintergrund zukünftig benötigter Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen problematisch und wirkt sich besonders auf die Landbevölkerung des globalen Südens negativ aus.

Eine wichtige Voraussetzung für langfristige Stabilität von landwirtschaftlichen Erträgen ist die Agrobiodiversität. Neben der Anpassungsfähigkeit von Nutzpflanzensorten an sich wandelnde Umweltbedingungen, hat Agrobiodiversität einen positiven Einfluss auf die natürliche Regulation von Pflanzenschädlingen und die Effektivität der Insektenbestäubung. Der Erhalt von  Agrobiodiversität wird so zu einem sehr wichtigen Bausteine einer umweltverträglichen Bewirtschaftungsweise.

Mit den aktuellen Strukturen der Sortenzüchtung und Saatgutproduktion sind nicht nur ökologische Probleme verbunden. Für Landwirte und Gärtnern ist die beschriebene Entwicklung häufig mit der Einschränkung ihrer Rechte auf freien Zugang zu Saatgut, die sogenannten „Farmers‘ Rights“, verbunden. Weltweit fordern Landwirte daher, die technische Zielvariable der Ernährungssicherheit durch die politische Forderung nach einer selbstbestimmten und demokratischen Ernährungssouveränität zu ersetzen, welche das Recht auf Zugang zu Saatgut und pflanzengenetischen Ressourcen umfasst.

Zwei Hauptentwicklungen können als Ursache der beschriebenen Problemzusammenhänge ausgemacht werden:

  1. eine zunehmende Marktkonzentration im Saatgut- und Agrarchemikaliensektor: Das Angebot auf dem internationalen Saatgutmarkt wird aktuell von 10 führenden Saatgutherstellern (kumulierter Marktanteil 75 %) maßgeblich bestimmt. Die drei größten Unternehmen haben einen Marktanteil von 53 %.
  2. die Ausweitung des Geltungsbereichs privater Eigentumsrechten an Saatgut und Sorten.  Bei Saatgut handelt es sich aus ökonomischer Perspektive grundsätzlich nicht um ein knappes Gut, da es sich selbst vervielfältigt und deshalb in großen Mengen verfügbar ist. Wirtschaftlich interessant wurde es als Produkt erst, als rechtliche und technische Mechanismen entstanden, die Saatgut und Sorten vor Vervielfältigung durch Dritte schützen. Diese Möglichkeit des Nutzungsausschlusses setzte Anreize für privatwirtschaftliche Investitionen in innovative Züchtungen. Zu den in diesem Kontext eingesetzten Verfahren in der Pflanzenzüchtung zählt insbesondere die Entwicklung nicht nachbaufähigen Hybridsaatguts.

Die Verfügbarkeit der beschriebenen rechtlichen und technischen Mechanismen hat ein System der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion hervorgebracht, das seine Innovationskraft vorrangig für Sorten mit hohen wirtschaftlichen Ertragserwartungen aufwendet. Damit einher gehen negative externe Effekte: Unter anderem führt die Konzentration der Zuchtanstrengungen auf wenige ertragsstarke Sorten weltweit zu einer Verminderung der Sortenvielfalt und beeinflusst dadurch eine wesentliche Komponente der Agrobiodiversität. Im globalen Norden sind von einigen Arten (z. B. Tomate, Blumenkohl) größtenteils nur noch Hybridsorten erhältlich. Dies ist eine große Herausforderung für den ökologischen Pflanzenbau und Verbraucherinteressen.

In Deutschland schränken zudem die strengen Zulassungskriterien und aufwändige Zulassungsverfahren für Sorten die Markteinführung neuer Züchtungen ein. Die enge Auslegung des Saatgut- und Sortenrechts und der Kriterien im Rahmen der Sortenzulassung lassen Züchtern kaum Spielraum für die Entwicklung weniger einheitlicher, nachbaufähiger Sorten. Sie führen rechtlich, institutionell und hinsichtlich pflanzengenetischer Ressourcen zu einem „Lock-in“-Effekt für die Verfügbarkeit neuer Sorten. Diese Entwicklung steht im Konflikt mit Kernzielen eines zukunftsfähigen, sozial-ökologisch nachhaltigen Ernährungssystems. Für den Erhalt der Agrobiodiversität, die Gewährleistung der Ernährungssicherung und -souveränität sowie für die Bereitstellung vielfältiger Agraröko-systemleistungen setzt der regulative Rahmen keine wesentlichen Anreize.

Saatgut und Sorten als Gemeingüter bilden einen „zweiten Pfad“ neben dem privateigentums-rechtlichen Saatgutsystem, um die Handlungsspielräume und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Akteure, von Kleinbauern in den Ländern des Südens sowie Landwirten und Erwerbsgärtnern im Pflanzenbau in den Ländern des Nordens, zu erweitern und wichtige, gesamtgesellschaftliche Funktionen der Pflanzenzüchtung zu gewährleisten. Dazu zählen die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel bei gleichzeitig geringerer Umweltbelastung sowie der Erhalt und die Entwicklung einer großen Nutzpflanzenvielfalt für die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel. RightSeeds stellt die Verknüpfung von Organisationsformen innerhalb dieses „zweiten Pfades“ mit ihrer sozial-ökologischen Wirkung im landwirtschaftlichen Pflanzenbau in den Mittelpunkt und fragt insbesondere nach der Reichweite gemeingüterbasierter Ansätze in Bezug auf die sozial-ökologische Transformation des Pflanzenbaus.

RightSeeds? – RightSeeds!

Ausgangssituation & Forschungsfragen

Saatgut war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine Ressource, welche von Landwirten als Gemeingut getauscht und daher im gemeinsamen Interesse vermehrt und genutzt wurde. Vielfältige Sorten wurden im regelmäßigen Nachbau erhalten und bei Bedarf auf den Feldern weiterentwickelt. Dies änderte sich mit der Intensivierung im Agrarsektor, die ein kommerzialisiertes, privatisiertes und heute von hoher Marktkonzentration geprägtes System von Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion entstehen ließ. Dieses System birgt Potentiale – etwa in der Ertragssteigerung der Sorten – wirft aber bezüglich der globalen Nachhaltigkeitsziele viele Fragen auf, insbesondere hinsichtlich
des Verlusts kultivierter Nutzpflanzenvielfalt, dem veränderten Zugang zu landwirtschaftlichen Produktionsmitteln und den damit verknüpften Auswirkungen auf die Ernährungssouveränität.

Verschiedene Initiativen und Unternehmen sowohl in der Nord- als auch in der Südhemisphäre arbeiten heute – im Kontrast zu der skizzierten Entwicklung – wieder vermehrt in verschiedenen Formen gemeingüterbasierter Sortenzüchtung und Saatgutproduktion. Ihr Ziel ist es, ertragreiche, widerstandsfähige und angepasste Sorten zu entwickeln bzw. zu erhalten. Genetische Vielfalt wird hier als wichtige Basis etwa für Anpassungsfähigkeit verstanden. Sie arbeiten mit partizipativen Ansätzen, bieten samenfester, nachbaufähiger Sorten an und suchen alternative Sortenschutzregelungen.

Vor diesem Hintergrund stellt die Nachwuchsgruppe Right Seeds die Frage, inwiefern gemeingutbasierte Sortenzüchtung, Saatgutproduktion und Nutzung von Saatgut und Sorten als Treiber für eine sozial-ökologische Transformation im Pflanzenbau wirken können.

Projektansatz & Vorgehen

In einem transdisziplinären Forschungsansatz nähert sich die Nachwuchsgruppe dieser übergreifenden Fragestellung mit den Praxispartnern des Projekts (Saatgutinitiativen und –Unternehmen, Netzwerke, Verbände und Handel): Gemeinsam werden Teilaspekte – wie etwa neue Organisations- und Finanzierungsmodelle für gemeingüterbasierte Arbeit untersucht und Beschränkungen durch politische und ökonomische Rahmenbedingungen erörtert. Die wissenschaftlichen Perspektiven der Agrarökologie, der Nachhaltigkeitsethik und der Governance-Forschung fließen in Right Seeds – neben der ökonomischen Sicht – in die Projektarbeit ein. Die Gruppe initiiert und begleitet einen Süd-Nord-Austausch zwischen einer Kooperative auf den Philippinen und deutschen Initiativen und Unternehmen.

Projektziele & zu erwartende Ergebnisse

Ziel ist es, neue Formen des Umgangs mit Saatgut, die eine Alternative zu den überwiegend marktbasierten Regimes der Eigentumsrechte darstellen, hinsichtlich ihrer sozial-ökologischen Wirkungen zu bewerten und weiterzuentwickeln. Lernprozesse auf nationaler und internationaler Ebene sollen initiiert und erfolgsversprechende Organisationsmodelle, Kommunikations- und Governance-Strategien für die beteiligten Praxispartner in Deutschland und auf den Philippinen erarbeitet werden.

Die Forschungsergebnisse werden politikorientiert aufbereitet, u.a.in Form eines Positionspapiers anlässlich der Bilanzierung der internationalen „Aichi-Biodiversitätsziele“. Zudem wird ein Kommunikationsinstrument zur ökologischen Pflanzenzüchtung erstellt, das die beteiligten deutschen Saatgutinitiativen bei der zielgruppenspezifischen Ansprache ihrer Stakeholder unterstützt.

Saatgut und Sorten als Gemeingüter

Saatgut war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine Ressource, welche von Landwirt*innen als Gemeingut getauscht und daher im gemeinsamen Interesse vermehrt und genutzt wurde. Vielfältige Sorten wurden im regelmäßigen Nachbau erhalten und bei Bedarf auf den Feldern weiterentwickelt. Heute hat sich dies geändert. Durch einen Wandel in den rechtlichen Rahmenbedingungen für Züchtung und Saatgutproduktion entstand die Option, Sorten eigentumsrechtlich zu schützen. Damit einher ging die Entwicklung technischer Verfahren, um die Nachbaufähigkeit von Sorten zu beschränken. Durch diese Veränderungen wurden wirtschaftliche Erträge möglich, für die die natürlichen Eigenschaften von Saatgut und Sorten zuvor keine Grundlage geboten hatten. Es gab nun Rahmenbedingungen und Verfahren, um  Sorten und Saatgut von einem Gemeingut in den Status eines privaten Gutes zu überführen.

Durch privatwirtschaftliche Investitionen in die Züchtung wurden in der Folge hohe Ertragssteigerungen für Sorten erreicht, deren meist großflächiger Anbau allerdings von intensiven Pflanzenschutzmaßnahmen begleitet werden müssen. Die Dynamik des Marktes für Saatgut und Sorten ist heute von einer starken Marktkonzentration auf wenige große Anbieter geprägt. Die Ziele der Züchtung konzentrieren sich in dieser Marktkonstellation auf eine abnehmende Zahl leistungsfähiger Sorten. In der Folge ergeben sich aus Nachhaltigkeits-perspektive gravierende Probleme in Bezug auf den Verlust von Sortenvielfalt, Agrobiodiversität, Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel sowie auf die Ernährungssouveränität.

Unsere Forschung bewegt die Frage, inwieweit gemeingüterbasierte Rechte an Saatgut und Sorten zur Lösung dieser Probleme im Pflanzenbau beitragen können. Wie kann ein „zweiter Weg“ neben der privatwirtschaftlichen Praxis ein Gegengewicht zu der einseitigen Ausrichtung schaffen?

Was wir machen

Um diese Fragen zu beantworten, ist es zunächst wichtig zu klären, was es genau bedeutet, Saatgut und Sorten als Gemeingüter zu behandeln. Durch die enge Kooperation mit unseren Praxispartnern erfahren wir, wie das Gemeingutkonzept durch Initiativen, Netzwerke und sozial ausgerichtete Unternehmen bereits heute als tragfähige Organisationsform genutzt wird. Wir verknüpfen die wissenschaftliche Perspektive eng mit den Anforderungen der praktischen Umsetzbarkeit und möglichen Reichweite. Neben dem Blick in die Praxis untersuchen wir die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, die für die Handlungsspielräume von gemeingutbasierten Initiativen maßgeblich sind.

…vom Süden lernen

Im Projekt RightSeeds untersuchen wir sowohl Organisationsformen gemeingüterbasierter Sortenzüchtung und Saatgutproduktion als auch die für diese Arbeit maßgeblichen Rahmenbedingungen. Ein vergleichender Blick auf Initiativen und Netzwerke in der Nord- und Südhemisphäre ist hier besonders interessant: Der Austausch mit dem philippinischen Netzwerk MASIPAG gewährt uns Einblick in eine seit Jahrzehnten bewährte Kooperation von Züchtung, Anbau, Wissenschaft und NGOs, in der Sortenvielfalt und Ernährungsouveränität als zentrale Werte wirken.

Innerhalb des großen Netzwerks (ca. 35000 Mitglieder) werden landwirtschaftliche Nutzpflanzen als gemeinsame Ressource gesammelt, registriert und für neue Züchtungen verwendet. Ausgehend von 30 alten Reis-Landrassen hat das MASIPAG-Netzwerk mittlerweile weit über 2000 weitere Sorten gefunden und gezüchtet. Damit wird die Lebensqualität von ressourcenarmen Landwirt*innen mittels lokaler Selbstversorgung mit Reis und anderen Feldfrüchten verbessert, wobei die Souveränität der Bäuerinnen und Bauern im Mittelpunkt steht.

Von diesen Ansätzen möchten wir lernen und untersuchen, welche der Ideen in den globalen Norden übertragen werden können. Anknüpfungspunkte für den Austausch mit MASIPAG sind die Züchtungsmethoden und die Organisation der Sortenzüchtung und Saatgutproduktion. Konkret soll die Zusammenarbeit dabei mittels gemeinsamer Anbauexperimente umgesetzt werden. Dafür werden gegenseitige Besuche stattfinden; nächstes Jahr (2018) reisen wir mit deutschen Praxispartner*innen auf die Philippinen. Zwei Jahre später (2020) empfangen wir dann Besuch von MASIPAG-Mitgliedern. Gemeinsam wollen wir auch ein politisches Positionspapier ausarbeiten, das im Zusammenhang mit der Bilanzierung der Aichi-Biodiversitätsziele (u.a. folgende Ziele: Gründe für Biodiversitätsverlust identifizieren; Druck auf Biodiversität reduzieren und nachhaltige Nutzung unterstützen; Sicherstellung des gerechten Zugangs zu Ökosystemleistungen für alle) erscheinen soll. Wir wollen dabei vor allem auf Aspekte der Ernährungssouveränität, der Agrobiodiversität und des Erhalts vielfältiger Agrarökosystemleistungen und des veränderten Zugangs zu landwirtschaftlichen Produktionsmitteln eingehen.

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